Flop 10 2017 – Dishonorable Mentions

dishonorable

Meine persönliche Flop 10-Liste des Jahres 2017 zu erstellen, erwies sich als nicht besonders leicht. Fast 150 Filme habe ich in diesem Jahr gesehen, davon hatten über 110 ihre bundesdeutsche Erstveröffentlichung im Kino, auf Blu-Ray und DVD oder auf Streaming-Services im Kalenderjahr 2017 und erfüllten damit die wichtigste Qualifikationsvoraussetzung für eine mögliche Platzierung in meinem persönlichen Top- oder eben Flop-Ranking.

Während sich auch meine Top-Liste, wie sich noch zeigen wird, nicht von selbst aufgestellt hat, so war es zugegebenermaßen noch deutlich schwieriger, aus einem riesengroßen Müllberg die zehn gammligsten, schlimmsten und ärgerlichsten Stinker herauszupicken. Letztlich habe ich ein klein wenig beschissen und 15 Filme in meine Flop 10 aufgenommen, aber da die Filmindustrie uns auch gerne bescheißt und wir uns ja auch gerne bescheißen lassen, ist das ja auch irgendwie bloß passend. Konsequente Inkonsequenz sozusagen. Und so werden in den nächsten Tagen Schritt für Schritt an dieser Stelle die furchtbarsten Filme des vergangenen Jahres veröffentlicht, bevor mit der anschließenden Top-Liste doch noch ein Silberschweif der Hoffnung aufgezeigt werden kann. Nun zunächst aber die „Dishonorable Mentions“, die Filme also, die trotz teilweise größter Anstrengungen nicht den Sprung in die Flop 10 geschafft haben. Mein Beileid.

Zu Jahresbeginn war ich noch außerordentlich optimistisch. So glaubte ich, dass „The Lego Batman Movie“ mit einer Bewertung von 5/10 ein Kandidat für die Liste sein könnte. Noch ahnte ich nicht, dass der Film mit dieser Bewertung nicht nur bei weitem nicht zu den schlechtesten Werken des Jahres überhaupt gehören sollte, sondern dass einige Monate später mit „Lego Ninjago“ sogar ein noch schlechterer Lego-Film in die deutschen Lichtspielhäuser Einzug erhielt. Beide sind von der frischen Kreativität des ersten Lego-Films meilenweit, von einer Flop 10-Platzierung aber auch ein gutes Stück entfernt. Es kamen jedoch nicht nur aus dem Hause des dänischen Bauklötzchenherstellers ärgerliche Animationsfilme, auch Disney Pixar mit „Cars 3“ und Illumination mit „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ haben faule Fortsetzungen hingerotzt, die die eigenen Taschen sowie die Kinderzimmer dieser Welt mit unnötigem Merchandise ordentlich gefüllt haben dürften, mit sympathischer Unterhaltung für die ganze Familie aber nichts zu tun haben.

Auch abseits der Animationsfilme waren die mannigfaltigen Arten des Scheiterns durchaus faszinierend. Schlecht produzierte, billig aussehende und vor allem stupide und unmotiviert geschriebene Action-Filme wie „American Assassin“ und „Killer’s Bodyguard“ schmierten in ähnlicher Regelmäßigkeit bei Kritikern und an den Kassen ab wie berechenbarer und todlangweiliger Geisterbahn-„Horror“ à la „Rings“, „Annabelle 2“ und „Jigsaw“ nervten. „Wish Upon“ war sogar derart peinlich schlecht, dass seine unfreiwillige und unironische Komik deutlich lustiger war als so manche Komödie wie beispielsweise „Bad Moms 2“. Zurück zu Action-Filmen, wo mit „Darkland“ und „Sleepless“ zwei Filme zwar dem vorherigen Vorwurf der billigen Optik entgehen können, dafür aber umso klischeetriefendere Drehbücher mit katastrophaler Figurenentwicklung ins Rennen schmeißen. Auch die King-Adaption „The Dark Tower“ war in der Konzeption seines Drehbuchs eine Katastrophe, hätte mich aber wohl dann deutlich mehr verärgert, wenn ich die Roman-Vorlage gelesen und gemocht hätte. „What happened to Monday?“ hatte zumindest eine interessante und kreative Prämisse, schlägt aber leider am Scheidepunkt der Story den Weg der Dummheit und des Kitsch ein und reduziert Noomi Rapaces schauspielerischen Ausdruck auf das Tragen verschiedener Perücken, die Charakterisierung einer jeden der sieben ach so individuellen, nach Wochentagen benannten Figuren lässt sich auf ein simples Schlagwort wie „Sportlerin“, „Schlampe“ oder „Nerd“ herunterbrechen. Weiterhin im Schnelldurchlauf erwähnenswert: „Die Schöne und das Biest“ bleibt mir höchstens wegen seines lustigen kleinen Homo-Skandälchens und Emma Watsons Autotune-Geträller in Erinnerung, der merkwürdige Thriller „Unforgettable“ hingegen bleibt mir seines Titels zum Trotze überhaupt nicht in Erinnerung. „King Arthur“ und „The Great Wall“ waren kackhässliche Grau-in-Braun-in-Grau-Computer-Gematsche, die glücklicherweise nicht ansatzweise so viel Geld generierten, wie raffgierige Produzenten sich vermutlich erhofften.

Drei Filme sollen zum Schluss aber nochmal gesondert erwähnt werden. Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“ war der letztjährige Beweis dafür, dass auch den zahlreichen Award-Institutionen nicht blind zu trauen ist. Dieses gewaltgeile, pseudo-pazifistische Manifest, das in der ersten Hälfte noch eine furchtbar kitschige Romanze drangeklatscht bekommen hat und mit seiner ultra-radikalen christlichen Botschaft die Nerven bis zum Maximum strapaziert, ist ein weiterer Beweis für den nur noch schwer zu leugnenden Wahnsinn seines Machers Mel Gibson.

Ein weiterer Filmemacher, dessen geistige Unversehrtheit zumindest in Frage zu stellen ist, ist Ridley Scott. Dieser hat im hohen Alter ein wahres Kunststück vollbracht und die Crew-Mitglieder von „Alien: Covenant“ nochmal drei Stufen dämlicher gestaltet als beim Mehr-oder-weniger-Vorgänger „Prometheus“. Hier wird nicht nur einmal auf CGI-Blut ausgerutscht, nein, zwei Mal! In kürzester Zeit! AUF DER GLEICHEN, VERDAMMTEN STELLE! Der intellektuelle Notstand der angeblichen „Wissenschaftler“ ist hier Normalzustand, hysterische Überreaktionen und der Totalausfall von Besonnenheit und Rationalität ebenso. James Franco ist zu seinem Glück schon zu Beginn des Films in seiner Kryoschlaf-Kapsel abgefackelt und nur in einer Szene zu sehen, die vermutlich bei „127 Hours“ rausgeschnitten wurde und noch irgendwo auf dem Fußboden im Schneideraum herumlag. Später werden die ausnahmslos paarweise auftretenden Vollidioten von verschiedenen Entwicklungsstufen des Xenomorph dahingerafft, stets gefolgt von „Mein Mann/Meine Frau ist tot“-Geheule. Hier hat Ridley Scott sein eigenes Filmerbe ganz ordentlich vergewaltigt – glücklicherweise immerhin nur dieses eine, dazu später mehr.

Zuletzt wäre dann, leider, leider, leider, noch „Der Schneemann“ zu nennen. Wie dieser Film derart schiefgehen konnte, ist vermutlich selbst schon eine Story für einen interessanten Film. Der Regisseur von den meinerseits äußerst hochgeschätzten Filmen „Dame, König, Ass, Spion“ und „So finster die Nacht“, Tomas Alfredson, ein namhafter Cast rund um Michael Fassbender (der ja leider auch schon mit dem Alien-Film einen Griff ins Klo landete), eine spannende und eigentlich schon ziemlich cineastisch geschriebene Bestseller-Vorlage von Jo Nesbo, Martin Scorseses Stamm-Cutterin Thelma Schoonmaker, selbst der erste Trailer war meiner Meinung nach ziemlich gelungen und Vorfreude weckend – eigentlich waren alle Bausteine für einen spannenden, fesselnden Thriller vorhanden. Während der Dreharbeiten muss daher unfassbar viel kolossal schief gegangen sein, denn das finale Produkt ist in jeglicher Hinsicht ein absolutes Fiasko. Wie es passieren kann, dass erhebliche Teile des Drehbuchs nicht gefilmt wurden und das erst kurz vor Schluss auffällt, wie eine Continuity durchgängig nicht zu erkennen ist, wie ein derart missglücktes und gescheitertes Projekt trotzdem noch ins Kino gelangt und nicht eingestampft wird, all dies lässt mich rat- und fassungslos zurück und beschließt diese „Dishonorable Mentions“-Auflistung. Es kann nur noch schlimmer werden…

Eine Antwort auf „Flop 10 2017 – Dishonorable Mentions“

  1. Von den meisten Filmen hab ich noch nie was gehört geschweige denn auch nur einen davon geguckt ^^

    Aber gut – dann bleibt das wohl auch so.

    Nachdem ich jez 16 Filme hab die ich nicht gucke – wann kommt einer der empfohlen wird?

    Gefällt mir

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